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Wo Integration gelingt - Wiens Integrationspolitik im internationalen Vergleich

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Und so sind auch für viele Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund Städte nicht nur Orte der Ankunft, sondern auch Orte gesellschaftlicher Integration und des sozialen Aufstiegs. 2015 wohnten fast zwei Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund in Ländern der OECD in Städten. Aber wo und wie gelingt Integration? Antworten auf diese Frage liefert eine aktuelle Studie der OECD, die nun im Rahmen von CORE in Kooperation mit der OECD und der WU Wien erstmals in Wien präsentiert wurde.

Analyse europäischer Städte
Die beiden OECD-Expertinnen Claire Charbit und Anna Piccinni analysierten im Zuge des zweijährigen Forschungsprojektes “Working Together for Local Integration of Migrants and Refugees” Integrationspolitiken und Integrationsmaßnahmen von 72 Städten mit Fokus auf Amsterdam, Altena, Athen, Barcelona, Berlin, Glasgow, Göteborg, Paris, Rom und Wien. Im Rahmen der Studie wurde analysiert, wie die Integrationspolitik von Städten funktioniert. Ebenso wurde untersucht, was aus bisherigen Erfahrungen gelernt und wie Integrationspolitik an lokale Realitäten in den Städten angepasst werden kann. Denn: Integrations- und Migrationspolitik wird zwar häufig auf nationaler Ebene beschlossen, jedoch muss Integration dort passieren, wo die Menschen sind. Am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, an den Schulen, im Supermarkt oder an öffentlichen Plätzen. Und das ab dem Tag der Ankunft. „Aus diesem Grund kommt den Städten eine wesentliche Rolle bei der Integration von Zuwanderern und Geflüchteten zu und sie sind auch wichtige Partner im Dialog mit nationalen Regierungen“, erklärt Claire Charbit.

Innovative Ansätze sollen Lücken schließen
Für eine bessere Integration haben einige der untersuchten Städte in den vergangenen Jahren ihre Integrationsangebote erweitert und angepasst. Dabei stellen die Koordination der Angebote und die zur Verfügung stehenden Ressourcen eine Herausforderung dar. So verzeichnen z.B. Großstädte häufiger einen kritischen Mangel an Erstaufnahmeeinrichtungen als dies bei kleinen und mittleren Städten der Fall ist. Viele Städte sind auch mit strukturellen Problemen in Bezug auf öffentliche Dienstleistungen und Wohnunterkünfte für Migranten konfrontiert. Einige Städte haben daher verschiedene innovative Ansätze ausprobiert, etwa eine engere Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, um möglichst frühzeitig zusätzliche Integrationsmaßnahmen anbieten zu können. „Aufgrund eines dynamischen Arbeitsmarktes, sozialer Netzwerke und der Verfügbarkeit von Aus- und Weiterbildungsangeboten ist der urbane Raum attraktiv für viele Migranten. Eine der größten Herausforderungen für Städte ist dabei, ethnischer und sozialer Segregation in Wohngebieten, aber auch in Schulen und Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken“, so Judith Kohlenberger, die am Institut für Sozialpolitik der WU Wien zum Thema Migration forscht.

Gutes Zeugnis für Wien
Für Wien fällt das Zeugnis insgesamt gut aus: In der Studie wird das Angebot Start Wien als Best-Practice-Beispiel genannt. Positiv hervorgestrichen wird auch, dass in Wien weniger Segregation stattfinde, da Zuwanderer nach einer gewissen Zeit Zugang zum sozialen Wohnungsmarkt haben und Begegnungen zwischen Wienern und Migranten gefördert werden. Hier verweist die Studie auf die Wiener Charta, ein Projekt zum besseren Zusammenleben in der Stadt. Genannt wird auch das Projekt wohnpartner, das die Nachbarschaft im Gemeindebau fördert. Dass mit der Magistratsabteilung 17 eine eigene Abteilung für Integration und Diversität etabliert wurde, wird in der Studie ebenso positiv betont wie die Entwicklung des Wiener Integrations- und Diversitätsmonitors. Herausforderungen für Wien sieht die OECD noch im erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt für Zuwanderer. Im Bildungsbereich regt die OECD spezielle Weiterbildungsmaßnahmen für LehrerInnen in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund sowie mehr Ressourcen für diese Zielgruppe an. Dass es Wien gelungen ist, durch das Urban Innovative Actions Programm der EU-Kommission für das Projekt CORE zusätzliche Mittel für Integrationsarbeit in der Stadt zu erhalten, wird von der OECD positiv hervorgehoben.  

„Ich freue mich über die Ergebnisse der Studie, zum einen weil sie Wien ein gutes Zeugnis ausstellen, und zum anderen insbesondere weil die Studie die Möglichkeit bietet, dass Städte voneinander lernen können. Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag, gute Integrationsbeispiele vor den Vorhang zu holen, aber auch verbleibende Herausforderungen für die Politik klar zu benennen. Für mich ist es wichtig, auf Basis von Fakten und Erfahrungen an Lösungen für diese Herausforderungen zu arbeiten und konkrete Maßnahmen zu setzen“, betont Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky.

Mehrwert evaluieren und kommunizieren
Verfolgt Integrationspolitik das Ziel, möglichst inklusive und nachhaltige Städte für alle zu schaffen, dann können alle in einer Stadt von Integration profitieren. So können Migranten-Communities auch in bisher benachteiligten Stadtteilen positive Effekte haben, indem dort wieder Nachfrage nach lokaler Wirtschaft entsteht, rund um Schulen und Gesundheitszentren lokale Familien mit zugewanderten Familien zusammengebracht werden und sich ein breiteres kulturelles Angebot entwickelt. Dieser Mehrwert wird derzeit zwar nur von wenigen Städten in ihren Entwicklungsstrategien berücksichtigt, jedoch gibt es ein paar Städte, die die Vorteile von Diversität sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung als auch im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel bereits erkannt haben.

„Städte sollten in die Evaluierung ihrer Integrationsarbeit investieren, um den Erfolg  bestehender Programme zu kontrollieren, weiterzuentwickeln sowie neue Programme zu etablieren“, betont Anna Piccinni. Dadurch werde auch eine Datenbasis geschaffen, durch die der Mehrwert erfolgreicher Integration den Kosten einer misslungenen Integration gegenüber gestellt werden kann, heißt es in der Studie. Nicht zuletzt könne eine Erfolgsmessung von Integration auch hilfreich sein, um in der Aufnahmegesellschaft die positive Einstellung gegenüber Migranten zu stärken. Insgesamt wurden zwölf wesentliche Herausforderungen identifiziert, mit denen Städte konfrontiert sind. Diese reichen von einer besseren Koordination der unterschiedlichen politischen Ebenen über die Berücksichtigung von Aufenthaltsdauer und Aufenthaltsstatus in den Integrationsstrategien bis hin zu einer stärkeren Kooperation mit nicht-staatlichen Akteuren und einer verstärkten Evaluierung von Integrationsergebnissen. 

Maßnahmen auf allen politischen Ebenen
Fakt ist: Beim Thema Migration geht es nicht nur um die Frage, wie viele Menschen in ein Land einwandern, sondern vor allem auch darum, wie gut die Integration dieser Menschen funktioniert. Für eine erfolgreiche Integration braucht es auf allen politischen Ebenen Maßnahmen. Wenn Integration aber erfolgreich verläuft, dann leisten die Neuankömmlinge einen wichtigen Beitrag in ihrem neuen Heimatland, nicht zuletzt auch wirtschaftlich.

LINKS

Working Together for Local Integration of Migrants and Refugees
Working Together for Local Integration of Migrants and Refugees in Vienna