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Kooperation als Erfolgsfaktor - Arbeitsmarktintegration in Schweden

Joel Hellstrand beim CORE Future Talk

Im Rahmen von CORE wurde bei einem Future Talk am 8. Oktober 2018 das schwedische Modell zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern und Geflüchteten präsentiert. Der Arbeitsmarktexperte Joel Hellstrand berichtete über die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen Schwedens und die Erfolgsfaktoren des schwedischen Modells.

Blick nach Schweden
Auf die Frage, wie Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern und Geflüchteten innovativ und wirkungsvoll gestaltet werden kann, lohnt sich insbesondere ein Blick nach Schweden. 2016 hat Schweden OECD-weit pro Kopf die meisten geflüchteten Menschen aufgenommen. Dabei ist die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Zuwanderern eine der größten Herausforderungen für das Land.

Beim CORE-Future Talk am 8. Oktober präsentierte Joel Hellstrand, Koordinator der Abteilung für Integration der schwedischen Arbetsförmedlingen, das schwedische Modell zur Arbeitsmarktintegration. Hellstrand zeigte im Rahmen seiner Präsentation, wie im Kontext der Fluchtbewegung das bestehende Knowhow in Schweden ausgeweitet und das schwedische System für Neuankömmlinge an die speziellen Bedürfnisse Geflüchteter angepasst wurde. Die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen des Landes haben dazu geführt, dass die Beschäftigungsrate in Schweden trotz der Aufnahme einer hohen Zahl an Flüchtlingen eine positive Tendenz aufweist. Zu den Erfolgsfaktoren des schwedischen Modells zählt vor allem die Kooperation mit Wirtschaft und Sozialpartnerschaft.

Vielfältige und innovative Maßnahmen
Zur leichteren Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Zuwanderern wurden in Schweden vielfältige und innovative Maßnahmen erarbeitet, wobei die schwedische Arbetsförmedlingen eine zentrale Rolle im System der Arbeitsmarktintegration spielt. So wurde u.a. ein individuelles Etableringsprogram (Etablierungsprogramm) entwickelt, das die Schritte hin zur Erwerbstätigkeit festlegt. Das Etableringsprogram ist ein zweijähriges Programm für Geflüchtete mit Aufenthaltsberechtigung, im Zuge dessen verschiedenste Maßnahmen umgesetzt werden. Zu diesen Maßnahmen zählen Staatsbürgerkunde („civic orientation“), Sprachtraining, das zum Teil berufsspezifisch angepasst wird, Karriereplanung, Kompetenzchecks & Kompetenzdokumentation sowie Selbstpräsentation & Coaching. Im Rahmen der Kompetenzschecks wurde auch ein 3-Wochen-Programm etabliert, das Kompetenzchecks im Zuge von Praktika („on the job assessments“) ermöglicht. Zeigen diese Checks Lücken, so wird versucht, diese durch Weiterbildungsmaßnahmen wie IT-Kurse, Sprachkurse etc. zu schließen. „Das Innovative an diesem Etableringsprogram ist vor allem, dass die einzelnen Schritte nicht hintereinander erfolgen müssen, sondern auch parallel ablaufen können“, so Hellstrand bei der Veranstaltung. Das sei vor allem beim Sprachtraining besonders wichtig.    

Kooperation mit Wirtschaft und Sozialpartnerschaft
Eine Maßnahme im Rahmen des Etableringsprogram ist die sogenannte Fast Track Initiative, die es durch eine enge Abstimmung mit den Sozialpartnern möglich macht, dass Menschen mit Qualifikationen oder Berufserfahrung in Mangelbereichen leichter in den Beruf einsteigen. Im Rahmen der Fast Track Initiative spielen Arbeitgeberorganisationen eine wesentliche Rolle. Hellstrand dazu: „Wir arbeiten im Rahmen der Fast Track Initiative eng mit Wirtschaft und Sozialpartnerschaft zusammen. Es war wesentlich, die Maßnahmen gemeinsam zu entwickeln und hier unter dem Stichwort ‚Ownership‘ einen Teil der Verantwortung in die Hände der Sozialpartnerschaft zu legen“.

Schweden hat nach wie vor einen großen Bedarf an Arbeitskräften. Unter den Menschen mit Fluchthintergrund auf der Suche nach Arbeit wird es auch weiterhin eine Gruppe geben, die noch Qualifizierungsmaßnahmen braucht, bevor sie am Arbeitsmarkt eingesetzt werden können. „Dafür haben wir zwar bereits Tools. Aber um noch erfolgreicher zu sein, brauchen wir eine noch stärkere Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft“, so Hellstrand abschließend.