News

Sie möchten regelmäßig Informationen rund um Integrationsarbeit in Wien erhalten und Neuigkeiten aus dem Projekt CORE erfahren? Dann melden Sie sich für unseren deutschsprachigen Newsletter an:

Unsere „Erklärung zum Datenschutz“ finden Sie hier

Selbstverständlich können Sie den Newsletter jederzeit wieder abmelden.

 

Das Bild von Geflüchteten in den Medien

Die Diskurse in den Massenmedien rund um die Themen Flucht und Asyl sind ein aktuelles und oft diskutiertes Thema: Unter Geflüchteten, unter Ehrenamtlichen, unter Personen, die im Flüchtlings- und Integrationsbereich tätig sind, ebenso wie innerhalb der interessierten Öffentlichkeit. Medien- und Kommunikationspraktiker und Medien- und Kommunikationspraktikerinnen sowie Kommunikationswissenschaftler und Kommunikationswissenschaftlerinnen setzen sich mit diesem Thema regelmäßig auseinander. Aber gerade auch Geflüchtete selbst befassen sich mit dieser Thematik bzw. sind im Alltag damit konfrontiert.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „CORE & the City“ widmete sich das Projekt CORE Ende April unter dem Titel „Das Bild von Geflüchteten in den Medien“ diesem Thema. In einer Podiumsdiskussion wurde der Frage nachgegangen, welches Bild von Geflüchteten in den österreichischen Medien vermittelt wird. Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell, einer der Diskutanten am Podium, erklärte zu Beginn, dass die negative Berichterstattung über Flüchtlinge zuletzt gestiegen sei. Konkret würden immer mehr Artikel in den Medien eine Nähe zwischen dem Thema Kriminalität und Geflüchteten herstellen. Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Österreichischen Presserates, verwies darauf, dass es in der Berichterstattung rund um Geflüchtete am häufigsten zu Verstößen gegen den Grundsatz des Persönlichkeitsschutzes sowie gegen den Grundsatz des Schutzes vor Pauschalverunglimpfungen und Diskriminierung kommen würde.

Zakarya Ibrahem, der vor einigen Jahren als Geflüchteter aus Syrien nach Österreich kam, ist derzeit neben einer Tätigkeit für "Shades Tours" als freier Journalist in Österreich tätig. Zuvor absolvierte er ein Praktikum bei biber. Bei der Diskussionsrunde verwies er auf die Herausforderungen, denen Journalisten mit Fluchthintergrund in Österreich begegnen: "Ich habe viele Freunde, die in ihrem Heimatland als Journalisten gearbeitet haben. Hier in Österreich konnten sie aber bisher keinen Job in ihrem eigentlichen Berufsfeld finden. Sie arbeiten in einem ganz anderen Bereich, weil es im Journalismus keine Zukunft für sie gibt." Amar Rajkovic, stellvertretender Chefredakteur des Magazins biber und Leiter der biber-Akademie, die u.a. auch von geflüchteten Journalisten und Journalistinnen besucht wird, ist jedoch überzeugt, dass österreichische Medien eigentlich davon profitieren würden, würden sie rund um die Themen Flucht und Asyl vermehrt auf Journalisten mit Fluchthintergrund in ihren Redaktionen setzen: "Geflüchtete Menschen haben einfach Einblicke, die andere Journalisten nicht haben. Sie kommen aus den Communities, über die geschrieben wird, sie sind selbst Betroffene. Das ermöglicht einen seriösen Journalismus, ganz ohne Beschönigungen, aber mit der Perspektive von jemandem, der weiß, worum es geht", so Rajkovic.

Fritz Hausjell warnte davor, die Stimmungslagen und Themenschwerpunkte in den digitalen Medien als repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zu betrachten. "Um wirklich zu wissen, was die österreichische Bevölkerung denkt, ist es besser, sich seriöse Meinungsumfragen anzusehen. Und die zeigen ein anderes Bild, als so manche Onlineforen befürchten lassen", erklärte Hausjell bei der Veranstaltung und plädierte für mehr Optimismus rund um dieses Thema.